Album der Woche
KW
38
Sylvan Esso
Ow∞
Im Jahr 1655 führte der englische Mathematiker John Wallis ein Symbol ein, das kein Anfang und kein Ende hat: zwei Kreise, die zu einer Endlosschleife werden. In der Mathematik steht dieses Symbol für einen grenzenlosen Wert. Doch außerhalb der Mathematik steht es auch für Ewig- und Beständigkeit.
Dieses Zeichen haben sich Sylvan Esso für den Titel ihres neuen Albums ausgesucht. Es heißt „Ow ∞“ (ausgesprochen „Ow Infinity“). Also ein Schmerzensschrei kombiniert mit der Unendlichkeit, das klingt erst mal nach nicht enden wollenden Qualen.
Vielleicht aber war das aber auch nur bezogen auf die Lange Zeit bis zur Fertigstellung der Platte: Vier Jahre lang hat das US-Duo, das übrigens auch im Privaten ein Ehepaar ist, in den Wäldern von North Carolina an seinem 5. Album gebastelt. Eine Zeit voller persönlicher Krisen, Naturkatastrophen und stundenlangen Improvisations-Sessions im Studio. Sylvan Esso haben sich dafür eine ganze Reihe prominenter Gastmusiker ins Boot geholt und zusammen eine extrem bunte, freie Musik-Collage geschaffen.
Klanglich ist „Ow∞“ eine regelrechte Wundertüte. Digitale Synthesizer treffen auf 90er-Jahre-Gitarren, A-cappella-Chöre und stolpernde Beats. Es geht viel Schmerz und Traumata, um das Menschseins, mit seinen grausamen aber auch schönen Seiten: Verpackt in eine ganz besondere chaotische Energie, die sich in keine Schublade stecken lässt.
Und auch sonst gehen Sylvan Esso ganz kompromisslos ihren eigenen Weg: produzieren auf ihrem eigenen, unabhängigen Label und haben sich vor einem Jahr als Protest auch von Spotify gelöst.
Die neuen Songs könnt ihr aber natürlich auch direkt auf der Homepage von Sylvan Esso hören und kaufen.

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