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13 STUNDEN RADIO FÜR DEN FRIEDEN.
Am 24. Februar, pünktlich zum vierten Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine, wollen wir von ahoy Radio, MenschHamburg und der Gute Leude Fabrik auf die Bedeutung von Friedensbemühungen aufmerksam machen – auf die Abscheu gegenüber Krieg und auf die Verantwortung, Haltung zu zeigen.
Mit unseren Mitteln tun wir das musikalisch. Von morgens 5 Uhr – dem Zeitpunkt, an dem der Angriff begann – bis abends um 18 Uhr spielen wir zu jeder VOLLEN und HALBEN STUNDE einen Friedenssong. Von John Lennon, über Tocotronic, U2, Bright Eyes, Bob Dylan bis zu den Black Eyed Peas.
Von uns erfahrt ihr auch, welche Geschichten hinter den Songs stecken.
Dazu hört Ihr den ganzen Tag Gedanken, Gefühle und Statements zum Thema „Frieden“ von prominenten ahoy Radio Hörer*innen und Menschen aus Hamburg.
24.02.2026 // 5 - 18 Uhr
Die Songs
Bob Dylan // Blowin' In The Wind
X-Mal gecovert und die Hymne des Civil Right Movements: Dylan stellt 1963 die philosophischen Fragen des Menschseins. Wie oft müssen Kanonenkugeln fliegen, bis sie verboten werden? Die Antwort kennt nur der Wind. Song wird erst durch Cover von Peter, Paul and Mary richtigbekannt, häufig auch religiös interpretiert (wind als holy spirit), Dylan ist damals noch nicht bekannt & Folk wird erst langsam zur politischen Stimme > Blowing in the Wind wurde 357 Mal gecovered (gibt auch höhere Zahlen)
John Lennon & Yoko Ono // Imagine
Eine sanfte Ballade am leicht verstimmten Klavier - John Lennon und Yoko Ono verpacken 1971 radikale politische Botschaften in "Zuckerguss", um sie für die bereits damals gespaltene US-Bevölkerung verdaulicher zu machen. Eine Welt ohne Grenzen, Gier und Religion - Just imagine... Yoko Ono erhält leider erst 2017 offiziell die Co-Autorenschaft / ein wesentlicher Teil des Texts basiert auf ihrem Buch "Grapefruit“. Augen schliessen & träumen – Yoko Ono & John Lennon mit „Imagine“.
Cat Stevens // Peace Train
1971 der Vietnamkrieg steckt in der Spätphase und die Antikriegsbewegung steht weltweit auf dem Höhepunkt. "Something good has begun" singt Cat Stevens und lädt an Bord des unaufhaltsamen "Peace Trains".
Udo Lindenberg // Wozu Sind Kriege Da?
Zusammen mit dem damals zehn-jährigen Pascal Kravetz stellt Udo 1981 die entwaffnende Frage, warum Erwachsene eigentlich immer alles kaputt machen müssen. Ein Zeichen gegen Atomraketen und für die Friedensbewegung - Das Anti-Kriegs-Duett schaffte es auf beide Seiten der Mauer und sogar in die Klassenzimmer als Diskussionsmaterial. 2024 hat Udo den Song in English neu aufgenommen, um für den UNICEF Spenden zu sammeln. "What is war for?" oder "Wozu sind Kriege da".
Nena // 99 Luftballons
1983, Kalter Krieg - die kleinste, falsche Bewegung kann das nukleare Ende bedeuteten - sogar Luftballons. Was passieren würden, wenn die über die Mauer nach Ost-Berlin trieben - das stellt sich Nena´s Gitarrist Carlo Kargen an einem Rolling Stones Konzert in Berlin vor und schreibt dann den Text zu 99-Luftballons. Die deutsche Anti-Kriegshymne wird zum Gold-Hit, sogar in den USA.
U2 // Sunday Bloody Sunday
1972 schiessen britische Fallschirmjäger aus der Luft auf unbewaffnete Demonstrant*innen und lassen damit den Nordirland-Konflikt eskalieren. 11 Jahre später singt Bono vom "Bloody Sunday". Seine wütende Stimme gilt dabei nicht nur einer, sondern der sinnlosen Gewalt auf beiden Seiten und fragt: "Wie lange müssen wir diesen Song noch singen?"
Westernhagen // Freiheit
Geschrieben hat Marius Westernhagen den Song "Freiheit" 1987 eigentlich nur über persönliche Selbstbestimmung. Nach dem Mauerfall 89´ entwickelte das Werk aber ein Eigenleben und wurde zum Symbol für die Wiedervereinigung. Dass sein Lied eine so grosse Sprengkraft entfaltete und zahlreichen Menschen Hoffnung gab, freut Westernhagen noch heute. Die unzähligen Einladungen zu Wiedervereinigungs-Feiern lehnte er aber immer bestimmt ab und spielte das Stück auch nur selten auf Tourneen - Er wollte "Freiheit" nie inflationär einsetzen. Auch von dessen Verwendung als Protestsong auf "Querdenker"-Demonstrationen während der Corona-Pandemie, distanziert er sich klar.
Nas & Lauryn Hill // If I ruled the World
Hip-Hop Utopie trifft auf die Realität der 90er: Gefängnis, Drogen, Armut - der Rapper Nas paart Kritik an der sozialen Ungleichheit in der USA mit seiner Vision einer besseren Welt. Inspiriert von Kurtis Blow und getragen von Lauryn Hills Stimme gelingt ihm mit "If I ruled the Wolrd" 1996 der Durchbruch.
The Black Eyed Peas // Where Is The Love?
Der Klassiker der 2000er entstand als Reaktion auf die Anschläge von 9/11 und die Invasion des Iraks. Getragen vom menschlichen Herzschlag, beschreibt "Where is The Love?" wie Angst und Verunsicherung zu Extremismus, Rassismus und Gewalt führen. 2013 gabs zum letzten Mal ein Remake - es wäre wohl leider Zeit für ein drittes & hoffentlich letztes.
Green Day // Holiday
Von 2003 bis 2004 stecken Greenday in den Aufnahmen zu "American Idiot" inmitten der gesellschaftlichen Spaltung nach 9/11 und der Invasion in den Irak. Nach 10 Monaten Studio erscheint auf Platz drei der Tracklist "Holiday" - Punk-Rock gegen den Irakkrieg und Präsident Bush´s Erdöl-Politik.
Tocotronic // Nie wieder Krieg
Entstanden in der Isolation der Pandemie und erschienen im Januar 2022 kurz vor dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine lässt Tocotronic offen, wie "Nie wieder Krieg" zu lesen ist: ob als innere oder politisch-gesellschaftliche Zerrissenheit im Umgang mit Widersprüchen und der Suche nach Gemeinsamkeit.
Die Songs zum Frieden
"Na klar, wir sind für Frieden, doch erst müssen wir gewinn´n." - K.I.Z. greifen die inneren Widersprüche auf, die Deutschland, Europa und die Welt aufs Neue beschäftigen. Das Berliner Trio scheut sich ja bekanntlich nicht vor dem "Deep-Dive" in die gesellschaftlichen Nuancen zwischen Schwarz & Weiss. Es wird abgerechnet mit einer vermeintlichen Friedenspolitik, die sich auf Waffengewalt und kolonialistische Interessen stützt. Und nicht nur die NATO kommt an den Pranger, sondern auch alle Ideale, Selbstbilder und Rechtfertigungen, die wir uns rund um den Krieg so aufbauen und eintrichtern lassen. Ein scharfzüngiger Mittelfinger nach oben und bittere Gesellschaftskritik.
Finch // Kein Bock auf Krieg
"Mama ist am Weinen doch mein Vaterland ist stolz" - der Brandenburger Finch hat auch im Jetzt "Kein Bock auf Krieg" und rechnet ab mit Kriegstreibern, nationalistischer Politik, toxischen Männlichkeitsbildern und allen die sich um Deutschlands Kriegstüchtigkeit sorgen und dafür die Jugend an die Front schicken wollen.
Die Ärzte // Friedenspanzer
Die Ärtze griffen im nächsten Song ganz viel TV der 90er auf. Neben dem Einstiegszitat aus "Die nackte Kanone 2 1/2" fallen Schlagwörter aus der Tageschau: Massensterben, Krieg, Bombe, Terror, Hass, Ozonloch, Regenwald und Walsterben. Denn auch nach dem Kalten Krieg war da alles andere als Frieden - Bosnien-Krieg, Georgien-Krieg und RAF-Anschläge sowie das wachsende Bewusstsein für den Umweltschutz prägten die Fersneh-Abende. Die Lösung: Ein "Friedenspanzer" der mit Liebe, Rosenduft und Tofu um sich schiesst anstatt mit Granaten. So einen bräuchten wir auch heute noch!
The Plastic Ono Band // Give Peace A Chance
Im Bett bleiben, eine ganze Woche lang und dann auch noch im 5-Sterne-Hotel - klingt nicht schlecht. Noch cooler wird’s, wenn man das Ganze zum Friedensprotest macht. Gleich zwei solcher "Bed-Ins" gönnten sich Yoko Ono und John Lennon. Dabei haben sie natürlich nicht nur gechillt, sondern fleissig Pressekonferenzen gehalten und wichtige Gäste empfangen - 12 Stunden lang, von 9 Uhr morgens bis 9 Uhr abends und durchgehend im Pyjama, sprachen sie über Frieden. Auch die Hit-Produktion, funktioniert vom Schlafzimmer aus. Am zweitletzten Tag des Bed-Ins Nr. Zwei in Montreal, nahmen sie 1969 Lennon´s erste Single ohne die Beatles auf. "Give Peace a Chance" - ein einfacher Chant, der aber bis heute in jeder Fußgängerzone funktioniert.
Max Prosa & Liv Solveig // Friedenslied
"Die, die am Krieg verdienen, die, die ihn wollen, sind nicht die, die darin sterben." - Als Reaktion auf den Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022, schreiben Max Prosa und Dota Kehr gemeinsam ein "Friedenslied". Der Release im März war als Protest und Aufruf zu Spenden gedacht und bestand aus einem einfachen Video einer Live-Performance im Homestudio - zwei Stimmen und Dota an der Gitarre. Alle Einnahmen aus dem Lied wurden der Organisation "Ärzte ohne Grenzen" gespendet. Im August 2022 nimmt Max Prosa den Song dann doch noch im Studio auf, dieses Mal jedoch mit der Violonistin und Sängerin Liv Solveig.
Anohni // Crisis
Mit dem Album "Hopelessness" hat sich die britische Sängerin und Künstlerin ANOHNI der Figur der Kassandra als ignorierte Prophetin angenommen und sie 2016 zum Leben erweckt. Die Tracks basieren auf dem Konzept eines weiblichen Orakels, bestehend aus den Gesichtern zahlreicher Frauen, die auf die ökologischen und soziologischen Probleme hinweisen und die Gesellschaft vor den drohenden Konsequenzen warnen. Im 8. Track "Crisis" gibt AHNONI den Opfern von Krieg und Folter durch die US-Regierung eine Stimme. Mit der Frage "How would you feel?" versetzt sie die Hörer:innen in deren Haut und appelliert gleichzeitig an deren Verantwortung als Steuerzahler:innen. Einer Verantwortung, der sie sich die Erzählerin dann auch selbst stellt: "I´m sorry. Please, please, I´m sorry".
Alt-J // Taro
Ein wunderschöner, aber tragischer Indie-Song über den Kriegsfotografen Robert Capa, der 54´auf eine Landmine trat. Er beschreibt die Grausamkeit des Krieges, den Moment Capas Todes und die Sehnsucht nach seiner Partnerin Gerda Taro, die als Fotografin an der Spanischen Bürgerkriegsfront bereits 17 Jahre zuvor durch einen Kriegspanzer ums Leben kam. Alt´J stellt sich in "Taro" vor, wie sich die beiden Ikonen im Tod wiedervereinen.
Tracy Chapman // Talkin' bout a Revolution
Nicht direkt ein Anti-Kriegs-Song und doch geht echter Frieden nicht ohne soziale Gerechtigkeit. Wenn die oben es sich da leider zu gemütlich machen, muss der Wandel von unten kommen. Auch Tracy Chapman singt 1988 von Revolution und das vor über 70´000 Menschen an der 70sten Geburtstagfeier von Nelson Mandela im Wembley-Stadion. Damals noch relativ unbekannt, springt die 24-Jährige in aller Eile für Stevie Wonder ein - Ihr internationaler Durchbruch.
PJ Harvey // The Words That Maketh Murder
PJ-Harvey hat dem Krieg ein ganzes Album gewidmet - "Let England Shake" thematisiert Gewalt und Zerstörung in 12 Songs, die allesamt ums Schlachtfeld kreisen. Mit dem Album prangerte sie 2011 das Engagements Englands in Afghanistan an und sang ihre Meinung dem damaligen Premierminister Gordon Brown in der BBC-Morning-Show direkt ins Gesicht. Der 5. Track "The Words That Maketh Murder" beschreibt den Krieg fast schon dokumentarisch aus der Sicht eines Soldaten, der am Ende zynisch fragt: „What if I take my problems to the United Nations?“
Sting // Russian
Mitten im Wettrüsten der 80er zapft Sting nachts heimlich mit einem Freund einen russischen Satelliten-Sender an. Am anderen Ende der Welt ist es bereits morgen und es läuft eine Kindersendung. Da wird ihm plötzlich klar: „Die Russen sind nicht die kalten Maschinen, als die sie uns dargestellt werden …“. Diese Erkenntnis inspiriert Sting zum Song "Russian", in dem er daran erinnert, dass wir alle die gleiche Biologie teilen. Stings Fazit: Frieden ist möglich, „the Russians love their children too".
Immortal Technique // The 4th Branch
Als vierten Arm der Regierung bezeichnet Rapper "Immortal Technique" die Mainstream-Medien in 2003 vor dem Hintergrund des Irak-Kriegs. Sie würden die öffentliche Meinung kontrollieren, Informationen zensieren, aber vor allem pro-Krieg und anti-revolutionäre Narrative pushen. "Immortal Technique" greift die herrschenden Vorurteile nach 9/11 gekonnt auf und kritisiert die kolonialistische US-Politik, die kaptialistische Interessen über Menschen stellt.
Bright Eyes // Landlocked Blues
"And the world´s got me dizzy again." - Den eigenen Schmerz mit dem der Welt zu verbinden - dafür hat Conor Oberst als Ikone der Emo-Folk-Bewegung ein Händchen. Im Song "Landlocked Blues" von 2005 transportiert er Zeile für Zeile das rastlose Gefühl verloren zu sein im Kontext einer unsicheren Welt. Mit persönlichen Alltags-Fragmenten zeichnet er die aufgewühlte Stimmung unter Bush´s Regierung - Kinder, die ihn mit Gewehren aus Baumzweigen erschiessen, Kriegsbilder und Verhandlungen im Fernsehen, die Angst vor der Zukunft, die Sehnsucht nach Freiheit und das Gefühl, vor allem weglaufen zu wollen, aber nicht zu wissen wohin.
Neutral-Milk-Hotel // Holland, 1945
1945 markiert das Ende der deutschen Besetzung der Niederlanden - nach fünf Jahren und einem letzten Hungerwinter, dem über 22´000 Menschen zum Opfer fallen. Im gleichnamigen Song "Holland, 1945" versetzt sich Sänger Jeff Magnum in die Perspektive der Überlebenden, die sich in den Trümmen wiederfinden: Trauernd um ihre Verstorbenen, aber gezwungen, nach vorne zu blicken und wiederaufzubauen. Das gesamte Album "In the Aeroplane Over the Sea" von Neutral-Milk-Hotel kreist um den Holocaust und die Zeit des Zweiten Weltkriegs. 1998 noch von Kritiker*innen zerissen, zählt es heute zu den absoluten Meilensteinen der Indie-Folk-Geschichte.
Elvis Costello & The Attractions // (What’s So Funny ’Bout) Peace, Love and Understanding
1973 fand sich Nick Lowe der Pub-Rock-Band "Brinsley Schwarz" umgeben von allgemeinem Zynismus, harten Drogen und Alkohol. Es schien als würden alle aus dem "Hippie-Traum" der 60er aufwachen und ihre ehemaligen Werte als naiv belächeln. Seine Antwort auf den neuen Zeitgeist war: "What´s So Funny´Bout Peace, Love and Understanding?" Wirklich bekannt wurde der Song jedoch erst 1979 durch Elvis Costello & The Attractions. Unter dem zugehörigen YouTube-Video finden sich massenweise aktuelle Kommentare wie: "Wir brauchen das, mehr als je zuvor".
Die Ärzte // Deine Schuld
Frieden ist kein Zustand, der einfach passiert, sondern einer, für den man den Mund aufmachen muss: „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.“ Ein Appel der Ärzte von 2003 zum zivilen Ungehorsam oder auch zur Zivilcourage - wie mans nimmt - und auch ein wirkungsvoller Reminder, dass wir eben doch etwas verändern können. Alles andere als passiv - hier kommen die Ärzte mit "Deine Schuld".
